Herzschrittmacher-Implantation
Wann ein Herzschrittmacher bei langsamen Rhythmen erforderlich sein kann, wie Gerät und Elektroden eingesetzt werden und was bei Risiken, Alltag und Kontrollen zu beachten ist.

Ein Herzschrittmacher gibt kleine elektrische Impulse ab, wenn die Herzfrequenz zu langsam wird oder die elektrische Erregungsleitung unterbrochen ist. Das Aggregat wird meist unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut gesetzt; die Elektroden werden über eine Vene bis zum Herzen geführt.
Kurzüberblick
Ein Herzschrittmacher behandelt nicht sämtliche Formen von Herzklopfen oder Herzerkrankungen. Seine Hauptaufgabe ist es, gefährliche oder symptomatische langsame Rhythmen zu verhindern. Er kann bei Sinusknotenerkrankung, höhergradigem AV-Block und ausgewählten Formen von Ohnmacht erwogen werden. Die Entscheidung beruht nicht allein auf einem niedrigen Pulsmesswert, sondern auf dem Zusammenhang zwischen Beschwerden und Rhythmus, dem Ausmaß der Leitungsstörung und möglichen reversiblen Ursachen.
Bei wem und warum wird er eingesetzt?
Die Entscheidung beruht nicht auf einem einzelnen Testergebnis. Beschwerden, erwarteter Nutzen, Alternativen und persönliche Risiken werden gemeinsam beurteilt.
- Symptomatische Funktionsstörung des Sinusknotens
- Höhergradiger oder vollständiger atrioventrikulärer Block
- Ausgeprägte Bradykardie ohne behandelbare reversible Ursache
- Ausgewählte Personen mit ungeklärter Ohnmacht und nachgewiesener Leitungsstörung
- Anhaltende Leitungsstörung nach Herzoperation oder TAVI
- Bedarf an einer physiologischeren Stimulationsstrategie, wenn ein hoher Anteil ventrikulärer Stimulation zu erwarten ist
Vorbereitung auf den Eingriff
Die Vorbereitung richtet sich nach der persönlichen Situation und danach, ob die Implantation geplant oder dringlich erfolgt. Die Anweisungen des behandelnden Zentrums haben Vorrang.
- Bestätigung der Schrittmacherindikation durch EKG und geeignete Rhythmusaufzeichnungen
- Prüfung, ob Medikamente oder reversible Ursachen zur Bradykardie beitragen
- Beurteilung der Herzfunktion durch Echokardiographie und bei Bedarf der Venenanatomie
- Planung unter Berücksichtigung von Antikoagulation, Infektionsrisiko, Nierenfunktion und Allergien
- Besprechung von Gerätetyp, Zahl der Elektroden, MRT-Tauglichkeit und langfristiger Nachsorge
Wie läuft die Implantation ab?
Während des Eingriffs werden Herzrhythmus, Blutdruck und Sauerstoffsättigung überwacht. Technik und Dauer richten sich nach der klinischen Situation.
- Der Bereich unterhalb des Schlüsselbeins wird örtlich betäubt; bei Bedarf wird eine Sedierung eingesetzt
- Über eine Vene werden eine oder mehrere Elektroden unter Röntgenkontrolle in die geeignete Herzhöhle vorgeschoben
- Wahrnehmungs- und Stimulationswerte der Elektroden werden gemessen
- Das Schrittmacheraggregat wird in einer kleinen Tasche unter der Haut platziert und mit den Elektroden verbunden
- Die Wunde wird verschlossen, das Gerät programmiert und seine Funktion abschließend geprüft
Wie wird der Schrittmachertyp ausgewählt?
Zur Verfügung stehen unter anderem Ein- und Zweikammersysteme, kabellose Herzschrittmacher und Verfahren zur Stimulation des natürlichen Reizleitungssystems. Rhythmus, Herzfunktion, Venenanatomie, Infektionsrisiko und voraussichtlicher Stimulationsanteil beeinflussen die Auswahl. Bei Herzinsuffizienz kann anstelle eines Standardgeräts eine CRT erforderlich sein.
Wie häufig arbeitet der Herzschrittmacher?
Das Gerät überwacht den Rhythmus fortlaufend und stimuliert je nach Programmierung nur dann, wenn bestimmte Grenzwerte unterschritten werden. Ob jemand schrittmacherabhängig ist, hängt vom eigenen Grundrhythmus ab. Bei der Geräteabfrage lässt sich erkennen, wie häufig der Schrittmacher aktiv geworden ist.
Erwarteter Nutzen und Grenzen
Ziel und Erfolgskriterien sollten entsprechend der Indikation vorab festgelegt werden.
- Verringerung von Ohnmacht, Schwindel und eingeschränkter Belastbarkeit durch einen langsamen Rhythmus
- Aufrechterhaltung einer sicheren Herzfrequenz bei höhergradigem AV-Block
- Verbesserung von Lebensqualität und Alltagsaktivität bei geeigneten Personen
- Speicherung von Rhythmus- und Gerätedaten für regelmäßige oder telemedizinische Kontrollen
- Ermöglichung notwendiger medikamentöser oder operativer Behandlungen in ausgewählten Situationen
Risiken und mögliche Komplikationen
Jeder invasive Eingriff ist mit Risiken verbunden. Die persönliche Wahrscheinlichkeit hängt von Alter, Gefäßanatomie, Begleiterkrankungen und Umfang des Eingriffs ab.
- Blutung, Bluterguss oder Infektion an der Implantationsstelle
- Luftansammlung im Brustkorb mit möglichem Bedarf an einer Drainage
- Verlagerung einer Elektrode, Verletzung der Herzwand oder erneuter Eingriff
- Thrombose oder Verengung einer Vene mit Schwellung des Arms
- Defekt von Gerät oder Elektrode und langfristig notwendiger Aggregatwechsel
- Verschlechterung der Herzfunktion bei manchen Personen durch häufige rechtsventrikuläre Stimulation
Nach dem Eingriff und Erholung
Entlassungszeitpunkt und Aktivitätseinschränkungen werden individuell festgelegt.
- Wunde sauber und trocken halten und Anweisungen zu Verband und Duschen befolgen
- Den Arm auf der Implantationsseite in den ersten Wochen nicht übermäßig belasten und schweres Heben vermeiden
- Rötung, Sekret, Öffnung der Wunde oder Fieber unverzüglich mitteilen
- Geräteausweis mitführen und bei medizinischen Untersuchungen auf den Schrittmacher hinweisen
- Termin für Wundkontrolle und erste Geräteabfrage einhalten
Langfristige Nachsorge
Auch nach erfolgreicher Implantation sind regelmäßige Kontrollen erforderlich.
- Batteriestand, Elektrodenwerte und gespeicherte Rhythmen bei Geräteabfragen überprüfen
- Wenn möglich ein System zur Fernüberwachung aktivieren
- Vor MRT, Operation, Strahlentherapie oder Kontakt mit starken elektromagnetischen Feldern das Geräteteam konsultieren
- Mobiltelefone und die meisten Alltagsgeräte entsprechend den Herstellerhinweisen sicher verwenden
- Wissen, dass bei erschöpfter Batterie meist ein planbarer Aggregatwechsel und kein Notfalleingriff erfolgt
Wann ist sofortige Hilfe erforderlich?
- Hohes Fieber mit Rötung, Überwärmung oder Sekret an der Wunde
- Neue ausgeprägte Schwellung oder Verfärbung des Arms auf der Implantationsseite
- Anhaltender Schluckauf oder rhythmisches Zucken von Brust- oder Bauchmuskeln
Häufig gestellte Fragen
Gibt ein Herzschrittmacher Schocks ab?
Ein Standardherzschrittmacher arbeitet mit sehr schwachen Impulsen und gibt keine Hochenergieschocks wie ein ICD ab.
Darf ich ein Mobiltelefon benutzen?
In der Regel ja. Das Telefon sollte nicht direkt über der Gerätetasche getragen werden; die empfohlenen Sicherheitsabstände des Herstellers sind einzuhalten.
Ist eine MRT-Untersuchung möglich?
Viele moderne Systeme sind unter festgelegten Bedingungen MRT-tauglich. Modell von Aggregat und Elektroden sowie die notwendige Programmierung müssen vor der Untersuchung überprüft werden.
Wird beim Batteriewechsel das gesamte System ersetzt?
Meist wird nur das Aggregat ausgetauscht. Funktionsfähige Elektroden können in der Regel im Körper verbleiben.
Quellen und medizinische Prüfung
Dieser Inhalt wurde anhand der im medizinisch geprüften türkischen Original aufgeführten aktuellen Fachleitlinien zur Patienteninformation erstellt. Er ersetzt keine persönliche Entscheidung über einen Eingriff oder eine Behandlung. Für Vorbereitung, Medikamentenplan und Entlassungsanweisungen gelten die Empfehlungen des behandelnden Teams.







