Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD)
Für wen ein ICD zur Vorbeugung des plötzlichen Herztodes infrage kommt, wie er implantiert wird, wie Schock- und Antitachykardietherapie funktionieren und was bei der Nachsorge wichtig ist.

Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) erkennt lebensbedrohliche ventrikuläre Tachykardien oder Kammerflimmern und kann sie durch schnelle Stimulationsimpulse oder einen elektrischen Schock beenden. Das Gerät kann zugleich als Herzschrittmacher arbeiten; sein Hauptzweck ist jedoch der Schutz vor dem plötzlichen Herztod.
Kurzüberblick
Ein ICD beseitigt weder die zugrunde liegende Herzerkrankung noch die Neigung zu Arrhythmien. Er greift ein, wenn ein gefährlicher Rhythmus auftritt. Nach überlebtem Herzstillstand oder schwerer ventrikulärer Arrhythmie wird er zur Sekundärprävention geprüft. Bei manchen Personen ohne vorausgegangenes Ereignis kann er abhängig von Pumpfunktion und weiteren Risikomerkmalen zur Primärprävention infrage kommen. Erwartete Lebenszeit, Begleiterkrankungen und persönliche Ziele sind Teil der Entscheidung.
Bei wem und warum wird ein ICD eingesetzt?
Die Entscheidung beruht nicht auf einem einzelnen Messwert. Erwarteter Nutzen, Alternativen, persönliche Risiken und Lebensziele werden gemeinsam beurteilt.
- Nach Kammerflimmern oder Herzstillstand, wenn keine vollständig reversible Ursache vorlag
- Nach anhaltender ventrikulärer Tachykardie mit Kreislaufgefährdung
- Bei deutlich verminderter Ejektionsfraktion und relevantem Risiko des plötzlichen Herztodes trotz optimaler medikamentöser Behandlung
- Bei Kardiomyopathien oder erblichen elektrischen Erkrankungen unter Einbeziehung von MRT, Genetik, Ohnmacht und Familienanamnese
- Wenn der erwartete ICD-Nutzen gegenüber Sterberisiken durch andere Erkrankungen und den persönlichen Behandlungszielen überwiegt
Vorbereitung auf den Eingriff
Die Vorbereitung richtet sich nach der persönlichen Situation und den Anweisungen des behandelnden Zentrums.
- Beurteilung von Herzfunktion und Dauer der bestmöglichen medikamentösen Behandlung
- Je nach Situation Herz-MRT, Koronardiagnostik, Rhythmusaufzeichnungen und genetische Abklärung
- Ausschluss vorübergehender oder behandelbarer Ursachen der Arrhythmie
- Besprechung eines transvenösen oder subkutanen ICD und eines möglichen zusätzlichen Schrittmacher- oder CRT-Bedarfs
- Aufklärung über angemessene und unangemessene Schocks, gemeinsame Entscheidungsfindung und später mögliche Anpassungen an veränderte Lebensziele
Wie läuft die Implantation ab?
Während des Eingriffs werden Herzrhythmus, Blutdruck und Sauerstoffsättigung überwacht. Technik und Dauer richten sich nach dem ausgewählten System.
- Beim transvenösen ICD wird eine Elektrode über eine Vene bis zum Herzen und das Aggregat unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut gelegt
- Beim subkutanen ICD wird das System entlang der Brustwand implantiert, ohne eine Elektrode im Herzen zu platzieren
- Wahrnehmungs-, Stimulations- und Verbindungswerte werden geprüft; in ausgewählten Fällen kann eine Testung der Rhythmusbeendigung erfolgen
- Das Gerät wird auf die individuellen Rhythmusmerkmale programmiert
- Die Wunde wird verschlossen und vor Entlassung eine vollständige Geräteabfrage durchgeführt
Wie behandelt der ICD eine Rhythmusstörung?
Das Gerät erkennt den Rhythmus und ordnet ihn anhand der Programmierung ein. Manche ventrikulären Tachykardien lassen sich durch eine schnelle, oft nicht wahrgenommene Antitachykardie-Stimulation (ATP) beenden. Bleibt die Arrhythmie bestehen, kann der ICD einen Schock abgeben. Da nicht jeder schnelle Rhythmus gefährlich ist, trägt eine sorgfältige Programmierung wesentlich zur Vermeidung unnötiger Therapien bei.
Transvenöser oder subkutaner ICD?
Beim subkutanen ICD verbleibt keine Elektrode in Vene oder Herz. Er kann jedoch keine dauerhafte Bradykardiestimulation und in der Regel keine Antitachykardie-Stimulation anbieten. Ein transvenöses System kann diese Funktionen übernehmen. Infektionsrisiko, Venenanatomie, Art der Arrhythmie und Schrittmacherbedarf bestimmen die Auswahl.
Erwarteter Nutzen und Grenzen
Ziel und Erfolgskriterien sollten entsprechend der Indikation im Voraus festgelegt werden.
- Schnelle Erkennung und Behandlung gefährlicher ventrikulärer Arrhythmien zur Verringerung des Risikos eines plötzlichen Herztodes
- Schockfreie Beendigung bestimmter Tachykardien durch ATP
- Unterstützung bei Bradykardie und bei ausgewählten Systemen zusätzliche CRT-Funktion
- Speicherung von Rhythmusereignissen und abgegebenen Gerätetherapien
- Frühere Erkennung von Geräte- oder Rhythmusproblemen durch Fernüberwachung
Risiken und mögliche Komplikationen
Jeder invasive Eingriff ist mit Risiken verbunden. Die persönliche Wahrscheinlichkeit hängt von Alter, Gefäßanatomie, Begleiterkrankungen und Art des Systems ab.
- Wundinfektion, Blutung, Verletzung des Brustfells oder der Gefäße
- Verlagerung oder Bruch einer Elektrode und langfristig möglicher Bedarf an Entfernung oder Austausch
- Unangemessene Schocks mit Schmerzen, Angst und Beeinträchtigung der Lebensqualität
- Beschwerden in der Gerätetasche, Ausdünnung der Haut oder Systemdefekt
- Fortbestehende Arrhythmie trotz Schock und möglicher Bedarf an Medikamenten oder Katheterablation
Nach dem Eingriff und Erholung
Entlassungszeitpunkt und Aktivitätseinschränkungen werden individuell festgelegt.
- Anweisungen zur Wundpflege und Bewegung des Arms einhalten
- Geräteausweis mitführen und Verbindung zur Fernüberwachung einrichten
- Einschränkungen beim Autofahren abhängig von Arrhythmie und Schockereignissen mit dem Behandlungsteam klären
- Nach einem Schock Zeitpunkt, Beschwerden und vorausgegangene Aktivität notieren und den vereinbarten Kontaktplan kennen
- Angst oder Sorge vor einem Schock offen mit dem Betreuungsteam besprechen
Langfristige Nachsorge
Auch nach erfolgreicher Implantation werden Grunderkrankung und Gerät dauerhaft kontrolliert.
- Batterie, Elektrodenintegrität und gespeicherte Rhythmen regelmäßig überprüfen
- Behandlung von Herzinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit oder Kardiomyopathie fortführen
- Bei wiederholten Gerätetherapien Programmierung, Medikamente und Ablation neu bewerten
- MRT oder Operation gemeinsam mit dem Geräteteam planen
- Bei fortschreitender schwerer Erkrankung rechtzeitig besprechen, ob die Schockfunktion weiterhin den persönlichen Lebenszielen entspricht
Wann ist sofortige Hilfe erforderlich?
- Anhaltendes Herzklopfen oder deutliche Beschwerden nach einem einzelnen Schock
- Hohes Fieber mit Rötung oder Sekret an der Gerätetasche
- Öffnung der Wunde oder sichtbares Gerät
Häufig gestellte Fragen
Wie fühlt sich ein ICD-Schock an?
Ein Hochenergieschock kann sich wie ein kurzer, kräftiger Schlag gegen den Brustkorb anfühlen. Manche Menschen sind während der Arrhythmie bereits bewusstlos und nehmen den Schock nicht wahr.
Was soll ich nach einem einzelnen Schock tun?
Wenn Sie sich gut fühlen, folgen Sie dem zuvor vereinbarten Kontaktplan und melden Sie sich zeitnah beim Geräteteam. Bei anhaltenden Beschwerden oder einem weiteren Schock wählen Sie den Notruf 112.
Verhindert ein ICD einen Herzinfarkt?
Nein. Er behandelt gefährliche Rhythmusstörungen. Koronare Herzkrankheit und Herzinsuffizienz müssen unabhängig davon weiter behandelt werden.
Kann die Schockfunktion deaktiviert werden?
Bei fortgeschrittener Erkrankung kann sie nach ausführlicher Information und gemeinsamer Entscheidung ausgeschaltet werden. Eine Schrittmacherfunktion wird davon getrennt beurteilt.
Quellen und medizinische Prüfung
Dieser Inhalt wurde anhand der im medizinisch geprüften türkischen Original aufgeführten aktuellen Fachleitlinien zur Patienteninformation erstellt. Er ersetzt keine persönliche Entscheidung über einen Eingriff oder eine Behandlung. Für Vorbereitung, Medikamentenplan und Entlassungsanweisungen gelten die Empfehlungen des behandelnden Teams.







