Brustschmerzen bezeichnen ein Symptom und keine einzelne Erkrankung. Sie können als Druck, Enge, Brennen, Stechen oder Schwere empfunden werden und vom Herzen und den Gefäßen, von der Lunge, der Speiseröhre oder der Brustwand ausgehen. Auch Angst kann Beschwerden verstärken. Allein aus der Schmerzstärke lässt sich die Gefährlichkeit nicht zuverlässig ableiten.
Warum ist das Beschwerdemuster wichtig?
- Druck oder Enge, die bei Belastung, Kälte oder emotionalem Stress auftreten und in Ruhe nachlassen, erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Durchblutungsstörung des Herzmuskels.
- Neu aufgetretener, in Ruhe bestehender, zunehmend häufiger oder länger anhaltender Brustdruck muss als mögliches akutes Koronarsyndrom dringend abgeklärt werden.
- Atemabhängige stechende Schmerzen können von Lunge, Brustfell, Lungengefäßen oder Herzbeutel ausgehen. Druckempfindlichkeit spricht eher für die Brustwand, schließt eine ernste Ursache jedoch nicht sicher aus.
- Brennen nach dem Essen kann zu Reflux passen; Herzbeschwerden können jedoch ebenfalls im Oberbauch wahrgenommen werden. Das gesamte Risikoprofil ist daher entscheidend.
- Bei Frauen, älteren Menschen und Personen mit Diabetes können Atemnot, Übelkeit, Rücken- oder Kieferbeschwerden und ungewöhnliche Erschöpfung stärker im Vordergrund stehen als klassischer Brustdruck.
Mögliche Ursachen
Diese Übersicht beschreibt mögliche Zusammenhänge; aus dem Symptom allein lässt sich keine Diagnose ableiten.
- Koronare Herzkrankheit, stabile Angina pectoris oder akutes Koronarsyndrom
- Aortendissektion, Perikarditis oder Myokarditis
- Lungenembolie, Pneumothorax, Lungenentzündung und andere Lungenerkrankungen
- Reflux, Krampf der Speiseröhre oder Erkrankungen von Magen und Gallenwegen
- Muskelzerrung, Rippen- oder Knorpelreizung und Nervenreizungen
- Panikattacke; sie sollte erst angenommen werden, nachdem gefährliche Herz- und Lungenursachen angemessen beurteilt wurden
Was wird ärztlich beurteilt?
- Beginn, Dauer, Ort, Ausstrahlung und Charakter der Beschwerden
- Zusammenhang mit Belastung, Atmung, Mahlzeiten, Körperlage und Berührung
- Begleitende Atemnot, Kaltschweißigkeit, Übelkeit, Ohnmacht oder Herzklopfen
- Alter, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, Cholesterinwerte und familiäre Belastung
- Bekannte koronare Erkrankung, Stent, Bypass, Blutgerinnsel oder Aortenerkrankung
Welche Untersuchungen können erwogen werden?
Nicht jede Untersuchung ist bei jeder Person erforderlich. Die Auswahl richtet sich nach Untersuchungsbefund und klinischer Wahrscheinlichkeit.
- Im Notfall innerhalb weniger Minuten ein EKG und bei Bedarf wiederholte Messungen von hochsensitivem Troponin
- Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung sowie Herz- und Lungenuntersuchung
- Je nach klinischem Verdacht Echokardiographie, Lungenbildgebung oder Untersuchung der Aorta
- Nach Ausschluss eines Notfalls bei geeigneten Personen Koronar-CT-Angiographie oder Stressbildgebung
- Die Testauswahl richtet sich nach Alter und Gesamtwahrscheinlichkeit; nicht jede Person benötigt dieselben Untersuchungen
Was sollten Sie vor dem Termin notieren?
- Uhrzeit des Beginns und Dauer
- Aktivität beim Auftreten und Veränderung in Ruhe
- Ausstrahlung, Begleitsymptome sowie möglichst Puls und Blutdruck
- Ob die Beschwerden häufiger, länger oder stärker als frühere Episoden sind
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
- Brustdruck oder Enge, die länger als wenige Minuten anhalten oder wiederkehren
- Ausstrahlung in Arm, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch
- Kaltschweißigkeit, Atemnot, Übelkeit, Ohnmacht oder ausgeprägte Schwäche
- Plötzlich einsetzender reißender Brust- oder Rückenschmerz oder neue neurologische Ausfälle
- Bewusstlosigkeit oder fehlende normale Atmung
Häufig gestellte Fragen
Schließt ein normales EKG einen Herzinfarkt aus?
Nein. Das erste EKG kann unauffällig sein; je nach Situation sind wiederholte EKG- und Troponinmessungen erforderlich.
Kann ein stechender Schmerz trotzdem vom Herzen kommen?
Stechende Schmerzen sind bei nicht kardialen Ursachen häufiger, erlauben allein aber keine sichere Entwarnung.
Kann ich abwarten, wenn der Schmerz nachlässt?
Beschwerden eines akuten Koronarsyndroms können kommen und gehen. Neue, nicht erklärte oder risikoreiche Beschwerden müssen beurteilt werden.
Diese Seite bietet allgemeine Informationen und ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine Diagnose oder einen individuellen Behandlungsplan.







