Eine Ohnmacht (Synkope) ist ein plötzlich einsetzender, kurzzeitiger Bewusstseinsverlust durch vorübergehend verminderte Durchblutung des Gehirns mit spontaner Erholung. Unsicherheit beim Gehen, Drehschwindel und das Gefühl einer bevorstehenden Ohnmacht sind nicht dasselbe; eine genaue Beschreibung ist für die Diagnose wichtig.
Warum ist das Beschwerdemuster wichtig?
- Übelkeit und Schwitzen nach langem Stehen, Hitze, Schmerzen oder dem Anblick von Blut passen zu einer Reflexsynkope.
- Schwarzwerden vor Augen nach dem Aufstehen spricht für einen Blutdruckabfall beim Lagewechsel.
- Ohnmacht während Belastung, im Liegen oder zusammen mit Herzklopfen oder Brustschmerz kann eine kardiale Ursache haben und ist risikoreicher.
- Drehschwindel bei Kopfbewegung kann vom Innenohr ausgehen; Sprachstörung oder einseitige Schwäche sind neurologische Notfallzeichen.
- Krampfartige Bewegungen können auch bei einer Synkope auftreten. Zungenbiss, lange Verwirrtheit nach dem Ereignis und der Augenzeugenbericht helfen bei der Abgrenzung zu einem epileptischen Anfall.
Mögliche Ursachen
Diese Übersicht beschreibt mögliche Zusammenhänge; aus dem Symptom allein lässt sich keine Diagnose ableiten.
- Reflexsynkope (vasovagale Synkope) und orthostatische Hypotonie
- Langsame oder schnelle Herzrhythmusstörungen
- Hochgradige Aortenklappenstenose, hypertrophe Kardiomyopathie oder Lungenembolie
- Flüssigkeitsmangel, Blutung, Medikamente und Störungen des autonomen Nervensystems
- Erkrankungen des Innenohrs, neurologische Ursachen oder Unterzuckerung
- Epileptischer Anfall und andere Ursachen einer Bewusstlosigkeit
Was wird ärztlich beurteilt?
- Körperhaltung und Auslöser vor dem Ereignis, Warnzeichen und Dauer der Bewusstlosigkeit
- Beobachtete Hautfarbe, Bewegungen, Atmung und Art der Erholung
- Belastung, Herzklopfen, Brustschmerz und plötzlicher Herztod in der Familie
- Blutdruck im Liegen und Stehen sowie Herz- und neurologische Untersuchung
- Medikamente, Flüssigkeitszufuhr, Blutverlust und Begleiterkrankungen
Welche Untersuchungen können erwogen werden?
Nicht jede Untersuchung ist bei jeder Person erforderlich. Die Auswahl richtet sich nach Untersuchungsbefund und klinischer Wahrscheinlichkeit.
- Bei echter Synkope bilden Anamnese, Untersuchung und 12-Kanal-EKG die Grundlage
- Blutdruckmessung im Liegen und Stehen
- Je nach Verdacht Echokardiographie und Rhythmusmonitoring
- Bei seltenen Ereignissen Langzeit-Ereignisrekorder oder implantierbarer Monitor
- Bei belastungsabhängigen Ereignissen Belastungsdiagnostik; neurologische Tests nur bei entsprechenden Befunden
Was sollten Sie vor dem Termin notieren?
- Uhrzeit, Körperhaltung und Tätigkeit beim Ereignis
- Übelkeit, Schwitzen, Herzklopfen oder Brustschmerz davor
- Sichere Videoaufnahme durch Zeugen und Dauer des Ereignisses
- Dauer bis zur vollständigen Erholung, Verletzungen und möglicher Urinverlust
- Medikamente, Flüssigkeit, Mahlzeiten und akute Erkrankungen an diesem Tag
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
- Ohnmacht während körperlicher Belastung oder im Liegen
- Bewusstlosigkeit zusammen mit Brustschmerz, schwerer Atemnot oder Herzklopfen
- Bewusstsein und Sprache normalisieren sich nicht rasch
- Hängender Mundwinkel, Schwäche von Arm oder Bein oder plötzlich einsetzender starker Kopfschmerz
- Schwere Verletzung, Blutung oder Ohnmacht in der Schwangerschaft
Häufig gestellte Fragen
Ist jede Ohnmacht ein epileptischer Anfall?
Nein. Synkopen sind häufiger; Ablauf und Augenzeugenbericht sind für die Unterscheidung wesentlich.
Sind unauffällige Untersuchungen immer eine Entwarnung?
Nein. Seltene Rhythmusstörungen können bei kurzen Untersuchungen übersehen werden; abhängig vom Risiko kann längeres Monitoring erforderlich sein.
Ist eine vasovagale Synkope harmlos?
Sie ist meist nicht lebensbedrohlich, kann aber zu Stürzen führen. Ähnlich erscheinende kardiale Ursachen müssen angemessen beurteilt werden.
Diese Seite bietet allgemeine Informationen und ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine Diagnose oder einen individuellen Behandlungsplan.







