Von einer Tachykardie spricht man meist bei einer Herzfrequenz über 100 Schlägen pro Minute in Ruhe. Bewegung, Fieber, Schmerzen oder Aufregung beschleunigen den normalen Sinusrhythmus. Ein plötzliches Herzrasen kann dagegen durch eine eigenständige Rhythmusstörung entstehen. Pulszahl, Regelmäßigkeit, Beginn und Begleitsymptome helfen bei der Einordnung.
Warum ist das Beschwerdemuster wichtig?
- Ein allmählicher Frequenzanstieg bei Belastung, Fieber oder Stress passt eher zu einer Sinustachykardie.
- Ein abrupt einsetzender und endender regelmäßiger schneller Puls kann eine supraventrikuläre Tachykardie sein.
- Ein völlig unregelmäßiger schneller Puls kann bei Vorhofflimmern auftreten; zur Bestätigung ist ein EKG nötig.
- Anhaltende Tachykardie in Ruhe kann durch Blutarmut, Schilddrüsenüberfunktion, Infektion, Flüssigkeitsmangel oder Medikamente verursacht werden.
- Herzrasen unter Belastung mit Brustschmerz, Atemnot, Schwindel oder Ohnmacht muss besonders rasch beurteilt werden.
Mögliche Ursachen
Diese Übersicht beschreibt mögliche Zusammenhänge; aus dem Symptom allein lässt sich keine Diagnose ableiten.
- Sinustachykardie bei Bewegung, Stress, Fieber, Schmerzen oder Flüssigkeitsmangel
- Supraventrikuläre Tachykardie, Vorhofflattern oder Vorhofflimmern
- Ventrikuläre Tachykardie und andere gefährliche Rhythmusstörungen
- Blutarmut, Schilddrüsenüberfunktion, Infektion, Lungenembolie oder Unterzuckerung
- Koffein, Energydrinks, Alkohol, Nikotin und stimulierende Substanzen
- Bestimmte Asthma-, Erkältungs-, Schilddrüsen- und Abnehmpräparate
Was wird ärztlich beurteilt?
- Herzfrequenz, Regelmäßigkeit und plötzlicher oder allmählicher Beginn
- Dauer und Zusammenhang mit Bewegung, Fieber, Flüssigkeitsverlust oder Stress
- Brustschmerz, Atemnot, Schwindel, Ohnmacht und Blutdruckabfall
- Medikamente, Koffein, Alkohol, Nahrungsergänzungen und stimulierende Stoffe
- Bekannte Herzerkrankung und plötzlicher Herztod in der Familie
Welche Untersuchungen können erwogen werden?
Nicht jede Untersuchung ist bei jeder Person erforderlich. Die Auswahl richtet sich nach Untersuchungsbefund und klinischer Wahrscheinlichkeit.
- 12-Kanal-EKG während der Tachykardie, wenn möglich
- Langzeit-EKG, Ereignisrekorder oder längerfristiges Monitoring entsprechend der Episodenhäufigkeit
- Blutbild, Schilddrüsenwerte, Elektrolyte und weitere Tests entsprechend dem klinischen Verdacht
- Echokardiographie bei Verdacht auf strukturelle Herzerkrankung
- Belastungstest oder elektrophysiologische Untersuchung bei ausgewählten Personen
Was sollten Sie vor dem Termin notieren?
- Beginn und Ende sowie plötzlichen oder allmählichen Verlauf notieren
- Puls 30 bis 60 Sekunden zählen und Regelmäßigkeit dokumentieren
- Auslöser wie Bewegung, Fieber, Stress, Koffein und Medikamente festhalten
- Smartwatch-EKG möglichst in Originalform speichern
- Begleitende Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel oder Ohnmacht festhalten
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
- Anhaltendes Herzrasen mit Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht
- Herzrasen mit Brustdruck, schwerer Atemnot oder Kaltschweißigkeit
- Sehr schneller Puls mit niedrigem Blutdruck, Verwirrtheit oder Kreislaufkollaps
- Breitkomplexige Tachykardie in einer vorhandenen EKG-Aufzeichnung
- Bewusstlosigkeit oder fehlende normale Atmung
Häufig gestellte Fragen
Ist ein Puls über 100 immer eine Rhythmusstörung?
Nein. Der normale Sinusrhythmus kann sich aus vielen Gründen beschleunigen. Verlauf und EKG unterscheiden die Mechanismen.
Kann ich den Rhythmus durch Pressen beenden?
Bestimmte Manöver helfen nur bei ausgewählten Tachykardien und sollten nach ärztlicher Anleitung erfolgen; bei Warnzeichen ist der Rettungsdienst erforderlich.
Kann Flüssigkeitsmangel Herzrasen verursachen?
Ja. Dennoch sollten anhaltende oder stark ausgeprägte Beschwerden nicht allein darauf zurückgeführt werden.
Diese Seite bietet allgemeine Informationen und ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine Diagnose oder einen individuellen Behandlungsplan.







